Alltagshelden — es gibt sie noch!




Heute will ich über Alltagshelden schreiben. Über Menschen, die da sind, wenn man sie braucht.

Das können nicht nur Familienmitglieder oder enge Freunde sein, die ein offenes Ohr haben oder sich vergewissern, dass es einem gut geht — egal, ob man gesund oder krank ist.

Besonders in Momenten, in denen es uns nicht gut geht – körperlich oder psychisch oder beides – brauchen wir nichts mehr als die Sicherheit, die uns soziale Kontakte geben. Das Wissen darum, nicht allein zu sein und – wenn man sie braucht – Hilfe zu bekommen. Und dies auch von Fremden.

Personen, die wir noch nie zuvor gesehen oder mit denen wir noch nie ein Wort gewechselt haben, können zu unsren Helden im Alltag werden.


Wir alle brauchen gelegentlich Hilfe, manchmal mehr, manchmal weniger. In jedem Fall ist es ein Geschenk, wenn in diesen Momenten jemand da ist, der diese Hilfe leisten kann. Ich war in meinem bisherigen Leben bestimmt nicht nur einmal auf die Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Güte anderer angewiesen, als es mir selbst nicht gut ging und ich alleine ziemlich hilflos gewesen wäre. Und ich bin unendlich dankbar dafür, dass es diese Menschen gab und gibt, die sehen, dass jemand Hilfe braucht und die bereit sind zu helfen. Menschen, für die Helfen wie ein natürlicher Instinkt, sprich selbstverständlich ist, (im Gegensatz zu jemandem, der wegsieht und einfach weitergeht.)


Erst vor Kurzem wurde mir durch zwei fremde Personen geholfen, als ich beim Joggen stechende Schmerzen, Übelkeit und Kreislaufprobleme bekam. Ich habe natürlich erst einmal selbst versucht, mich durch langsames Laufen, tiefes Atmen und schließlich Hinsetzen wieder zu „regenerieren“, aber das hatte leider keinen Erfolg. Ich wollte nur noch nach Hause, mich hinlegen und besser fühlen. Vor allem der Wunsch in sicherer und vertrauter Umgebung zu sein hatte für mich oberste Priorität. Aber allein schon aufzustehen schien – ohne Hilfe – unmöglich. Tja, ein Handy habe ich beim Joggen grundsätzlich nicht dabei, weil mich das stören würde, also war ich auf fremde Hilfe angewiesen.

Da ich das Glück hatte, noch nicht auf dem Feldweg zu sein, sondern an einer Straße mit Parkplatz gegenüber, sah mich ein Paar, das dort gerade gehalten hatte, auf dem Boden sitzen und kam auf mich zu, um sich nach meinem Wohlbefinden zu erkundigen. Nachdem ich die Frage, ob man einen Krankenwagen rufen sollte, verneint hatte und auch, ob ich jemanden anrufen möchte, der mich abholt – ich sollte definitiv ein, zwei Handynummern auswendig lernen! – brachten sie mir Wasser und sind bei mir geblieben, bis ich ihnen glaubhaft versichern konnte, dass es mir besser ginge und ich es nach Hause schaffen würde. Sie haben sich und ihre Pläne hintenangestellt, um mir Sicherheit zu geben und für mich da zu sein, und das ist mir deutlich in Erinnerung geblieben. An die Schmerzen oder das Gefühl hilflos zu sein, kann ich mich, wenn, dann nur vage erinnern. Es spielt in dieser Erinnerung keine Rolle mehr. Für mich zählt nur das Gute an dieser Situation, die Erleichterung und die Dankbarkeit, die ich empfand, als ich merkte, ich bin nicht allein und mir wird geholfen. Die beiden waren an diesem Tag meine Helden. :)

Und davon gibt es noch viele mehr! Dazu zählen meiner Ansicht nach zum Beispiel auch Personen, die einem im Supermarkt eine Tasche bringen, wenn sie sehen, dass die Einkaufstasche gerissen ist und sich die Lebensmittel über den Fußboden ergießen. Das kann auch jemand sein, der einem die Tür aufhält, wenn die eigenen Hände voll sind, oder jemand, der aufhebt, was ein anderer verloren hat, und es ihm wieder bringt. Das kann jemand sein, der einen hält und stützt, wenn man sich selbst nicht mehr halten kann. Jemand, der einem die Hand hält, wenn man die Sicherheit einer Berührung braucht…


Und ganz besonders zu schätzen sind diese Zeichen der Hilfsbereitschaft in Zeiten, in denen Covid leider noch immer eine große Rolle spielt. Denn kaum ein Mensch wusste am Anfang noch recht, wie er sich richtig verhalten soll, und für manche ist das auch heute noch ein schwieriges Thema.

Ich selbst erinnere mich an eine solche Situation, in der ich etwas aufheben wollte, was ein anderer fallen gelassen hatte, aber – Covid wegen – gezögert und in der Bewegung innegehalten habe, weil ich mich fragte, ob der andere möchte, dass ich anfasse, was ihm gehört, oder, ob er in meiner Hilfe eher eine (Ansteckungs-)Gefahr sieht. Ich fand das ehrlich gesagt ziemlich verwirrend, irgendwie verrückt und auch bedauerlich – vor allem, da es nur ein Beispiel dafür war, wie dieses Virus Menschen auf Distanz halten und unser Verhalten verändern kann.


Aber zurück zu denjenigen, die – Covid hin oder her – helfen, wenn Hilfe verlangt wird.

Diese Begebenheiten helfen uns nicht nur in dem jeweiligen Moment, sie tragen ihre Früchte auch über die Situation hinaus. Wir nehmen diese Erfahrung mit und speichern sie im Gehirn unter positiven sozialen Kontakten ab. Sie geben uns folglich für neue Erfahrungen bzw. die Zukunft mehr Zuversicht und Sicherheit. Die Zuversicht, dass uns in Not (ob groß oder klein) erneut geholfen wird, wächst. So wie das Wissen, dass unser Wohl nicht nur uns selbst wichtig ist, sondern auch anderen Menschen. Das Wissen, dass wir Teil einer Gemeinschaft sind, die zusammenhält.

Das macht uns stärker und kann auch heilsam sein für vergangene Erfahrungen, in denen wir anderes erleben mussten.

Und im besten Falle regt es dazu an, auch so ein selbstloser und hilfsbereiter Mensch zu sein. Denn wir alle brauchen die Nähe und Liebe anderer. Und Nächstenliebe ist genau das.


Die Hände desinfizieren kann man sich dann immer noch, aber es sollte uns nicht davon abhalten für einander da zu sein!



Caroline